Geschichte

Das Lampenfieber-Projekt  – ein ganz sachlicher Rückblick im Telegrammstil

1995: Heiner Müller: Herzstück; ein absurder Sketch in Variationen, präsentiert auf dem Schulkulturfest des Emsland- Gymnasiums „Kultur macht Schule – Schule macht Kultur“ vom LK Deutsch; dann im August Gründung von Lampenfieber durch Hanneli Podewski und Stefan Dehn.


1996: Friedrich Dürrenmatt: Romulus der Große; eine groteske Komödie gegen das Streben von Großmächten nach Weltherrschaft.


1997: Sophokles: Antigone; antike Tragödie: Das Recht des einzelnen und das Recht des Staates stehen sich als unversöhnliche Prinzipien gegenüber und münden in eine Katastrophe.

1998: Wie ein Mythos entsteht: Der Tod von Lady Dianabunter Themenabend: Lady Di, ein Kind der Medien, stirbt auf der Flucht vor ihnen.


1999: Nigel Williams: KlassenFeind; Sozialdrama zur Gewalt unter Jugendlichen, die von der Gesellschaft schon aufgegeben worden sind, und zu ihrer Verzweiflung.



2000: Gotthold E. Lessing: Emilia Galotti; bürgerliches Trauerspiel zur Gewalt gegen Kinder in der Familie.

2001: Sophokles: Ödipus/Goethe: Faust/Brecht: Leben des Galilei/Kipphardt: Oppenheimer/Dürrenmatt: Physiker/Lampenfieber: eigene Texte; Theatercollage „Eines Tages wird man meinen Namen kennen“ zur Ethik der Wissenschaft.


2002: Stefan Dehn: Killing Kids; Psychodrama über Kinder, die gemordet haben oder deren Seelen von einer seelenlosen Gesellschaft täglich gemordet werden.

Wiederholung der Theatercollage zur Ethik der Wissenschaft

Yasmina Reza: Art; Satire in französischer Sprache: Was ist Kunst? Ein weißes Blatt „mit nix drauf?!“


2003: Lampenfieber/Shakespeare: Romeo und Julia in den Netzen; absurdes Theater zum Verlust der Fähigkeit, miteinander zu sprechen, bedingt durch die grenzenlosen Kommunikationsmöglichkeiten von Handy und Internet.


2004: Albert Camus: Die Gerechten; politisches Schauspiel zur Ethik von Terror und Tyrannenmord.


2005: Stefan Dehn: W, nach Georg Büchner: Woyzeck, Sozialdrama zu den Demütigungen durch Armut und Unterdrückung.

Friedrich Dürrenmatt: Der Meteor; schwarze Komödie über den einsamsten Menschen der Welt, der sterben will, es aber nicht kann und seine Unsterblichkeit nicht wahrhaben will.

 


2006: Volker Ludwig/Detlef Michel: Das hältste ja im Kopf nicht aus; sozialpolitisches Jugendtheater über die Perspektiven von Jugendlichen ohne hinreichenden Schulabschluss.


2007: Stefan Dehn: Blüten; psychologisches Konfliktstück: Ein Kind will Kind sein, wehrt sich gegen seine Fremdbestimmung durch die egoistische Erwachsenenwelt und wird dabei selber erwachsen.

Reinhold Tritt: Die Welle; politisches Schuldrama: Ein Experiment im Geschichtsunterricht läuft aus dem Ruder.


2008: Hugo von Hofmannsthal: Jedermann. Das Spiel vom Sterben des reichen Mannes: Erste Open-Air- Veranstaltung von Lampenfieber: Das Abenteuer, vor dem Falkenhof erst um 21.30 Uhr zu beginnen und in die Nacht hinein zu spielen, ist von vielen Zuschauern begeistert angenommen worden. Gezeigt wird, wie der reiche Mann durch den angekündigten Tod alle seine Freunde verliert, im Tod aber zu sich findet.


2009: Stefan Dehn: Effi, komm!, nach Theodor Fontane: Effi Briest. Die Dramatisierung eines großen Romans: Eine junge Frau, fast noch Kind, geht an den starren Werten einer inhumanen Gesellschaft, die nicht verzeihen kann, ganz leise zugrunde.

Marlene Skala: Räuber. Schiller für uns, nach Friedrich Schiller: Die Räuber. Eine modernisierte, emanzipatorische Fassung von Schillers „Räuber“, die nicht immer nur Männer in den Hauptrollen sehen möchte.


2010: Stefan Dehn: Weiter, Junge – leide weiter!, nach Johann Wolfgang Goethe: Die Leiden des jungen Werther: Eineiige Zwillinge verkörpern Werthers lyrische und selbstzerstörerische Seite. Ein tagebuchähnlicher Briefroman als Dramenvorlage für eine bewegende Liebes-, Leidens- und Krankheitsgeschichte. Das Drama vom Lieben, Leiden und Sterben des jungen Werthers im Salinenpark Bentlage geht unter die Haut. Es ist kalt und regnet; die Premiere muss abgebrochen werden. Aber die Besucher kommen wieder und sind begeistert. Im November des Jahres erhält Lampenfieber den Kulturpreis der Stadt Rheine.


2011: Stefan Dehn: Draußen, nach Wolfgang Borchert: Draußen vor der Tür: Vorab-Premiere als Straßentheater an vier verschiedenen Schauplätzen in der Innenstadt Rheines; Stationstheater an sieben verschiedenen Spielorten auf dem Schulgelände unseres Gymnasiums. Beckmann, Exgeisel somalischer Warlords und sozial abgestürzt, schiebt schuldbeladen und verzweifelt sein Schrottrad durch Hamburg; seine Botschaft, die unsere westlich-dekadente Lebensweise zu Lasten vieler afrikanischer, asiatischer oder lateinamerikanischer Menschen anprangert, will niemand hören. Eine zentral platzierte allegorische Tanzperformance symbolisiert den erfolgreichen Befreiungskampf afrikanischer Frauen gegen Ausbeutung und Unterdrückung.


2012:Sophia Fröhlich: … denn Sonnen träumen anders: eine Selbstfindungsreise mit lebensbejahender Botschaft: Der doppelte Jahrgang 12 / Q1, über 120 Teilnehmende in der Stadthalle Rheine, zaubert eine poetische, bildgewaltige Traumgeschichte auf die Bühne.

 


2013:Bildung war gestern: Zum ersten Mal spielt eine „reine“ G 8 –   Jahrgangsstufe, d.h., die Akteure sind alle ein Jahr jünger als ihre Vorgänger. In gewisser Weise greift das kommende Stück „Bildung war gestern“  dieses auf und möchte den Zuschauern eine provokante Adaption von Alfred Anderschs Erzählung „Der Vater eines Mörders“ aus dem Jahre 1980 präsentieren. Eine aktualisierte Variante spitzt die Frage nach Stellenwert und Bedeutung von Bildung weiter zu; erstmals bietet LaFi zwei Stücke in einem – man darf gespannt sein.


2014: machtlos:

In diesem Jahr wird eine Kindesentführung thematisiert. Dabei setzt der Entführer ein Zeichen, indem er das Lösegeld in Höhe von 10 Millionen Euro auf dem Alexanderplatz verteilt und den „Robin Hood“ spielt. Dies macht er nur Aufgrund seiner hohen Verschuldung durch einene Kredit, wodurch er sein ganzes Geld verloren hat. Den Jungen fand das SEK mit genug Verpflegung und körperlich unversehrt vor. Es ging dem Entführer nur darum, ein Zeichen zu setzen. Nun steht er vor Gericht, welches in einigen Tagen ein Urteil fällt. Wie dieses lautet, ist allerdings noch unbekannt.


2015: Nathan der Weise:

Der Protagonist ist der jüdische Kaufmann Nathan, der für Humanität, Toleranz und Religionsfreiheit steht und damit dem Menschenbild der Aufklärung entspricht. Im Stück gelingt ihm die Versöhnung der drei monotheistischen Weltreligionen.


2016: LaFi spezial: Seitensprünge:

29 Schülerinnen und Schüler der Q1 haben mit 29 Kindergartenkindern des „Mobile“ zusammengearbeitet, um 6 ehemalige LaFi-Stücke zu kombinieren und als vollkommen neues Stück auf die Bühne zu bringen.


2017: William Shakespeare: Ein Sommernachtstraum:

Diese Neuinterpretation des Shakespeare-Klassikers erzählt komödiantisch eine Geschichte über Liebe, Macht, Elfen und Zauber.


2018: Mario Giordano: Das Experiment:

Lafi Projekt

Versuchspersonen gesucht!

200,-€ pro Tag für ein 14-tägiges Experiment!

Für eine sozialwissenschaftliche Untersuchung über „Leben im Gefängnis“ suchen wir 13 Personen, die bereit sind, 14 Tage als Wärter oder Gefangene in einem Scheingefängnis zu verbringen. Die Untersuchung findet im Psychologischen Institut der Universität Düsseldorf statt und dient der Erforschung zwischenmenschlicher Beziehungen in Gefängnissen.

So beginnt das Drehbuch des diesjährigen Lampenfieberprojektes, das von einem äußerst fragwürdigen Experiment handelt. Ein solches Experiment fand tatsächlich 1971 an der Universität in Stanford statt.

Die 13 Versuchspersonen werden in 5 Wärter und 8 Häftlinge aufgeteilt. Es gibt kaum Regeln. Konflikte liegen an der Tagesordnung.

Diese Konflikte führten am Ende zu einem tollen Theaterstück mit guter Zusammenarbeit der verschiedenen Gruppen.

https://www.mv-online.de/lokales/rheine/die-lust-an-der-sinnlosen-macht-148549.html


Die Liste der 27 Projekte der letzten 22 Jahre zeigt, wie vielseitig die Auswahl und Realisierung der Stücke vorgenommen wurden. Nichts hat sich wiederholt, jedes Stück bleibt ein Unikat – so kann jede LaFi-Generation mit Recht von sich sagen, ihr Stück sei das beste. Das sind sie, jedes für sich, nicht mit den anderen zu vergleichen.